Warum ernähre ich mich vegan?

Also warum ernähre ich mich vegan? Modeerscheinung? Bin ich ein Hipster? Oder weil ich in Prenzlauer Berg wohne? Nein, so einfach ist es nicht. Es fing an als ich 14 Jahre alt war. Ich hatte einen Dokumentarfilm über den Konsum von Fleisch und die Nutzhaltung von Tieren gesehen: Earthlings.

Alpträume nach dem Film Earthlings

Rinder auf der Wiese
Bild von LID | CC BY-SA 2.0

In diesem Film sieht man die Haltungsbedingungen der Tiere und wie sie, in einer recht erschreckenden Art und Weise, zu Fleisch verarbeitet werden. Mein 14-jähriges Ich sah nun, wie ein Rind vom engen Stall des Bauern, in einem viel zu überfüllten LKW zum Schlachthaus gebracht wurde. Im Schlachthaus wurde ihnen, eingepfercht in einer kleinen Kammer, ein Stahlbolzen mittels Luftdruck durch die Schädeldecke in das Gehirn getrieben. Mir sind die Tränen gekommen als den Rindern die Kehle durchgeschnitten wurde, während sie meist nur an einem Bein an einer Förderkette an der Decke angebunden waren. Daraufhin wurde ich prompt Vegetarier.

Meine Familie nahm es mit Humor und hat zu Beginn wenig verstanden, warum ich so reagierte. Sie nannten meine Seitansteaks zum Weihnachtsessen „Sägespähne“ und meine Ernährungsweise war zu jedem Familientreffen ein Thema. Ich war aber überzeugt, das richtige zu tun und ließ mich davon nicht abhalten. Jahre vergingen und ich wurde älter, viel hatte sich geändert, doch ich blieb Vegetarier.

Bessere Verdauung durch pflanzliche Nahrung

Viele Vegetarier werden ja recht schnell vegan nach einer gewissen Zeit, aber davon war ich damals nicht überzeugt. Dieses Jahr habe ich mich mal wieder mit dem Veganismus ausführlich beschäftigt: Tagelang saß ich am Laptop und habe recherchiert. Als Vegetarier habe ich dennoch viel Milchprodukte zu mir genommen und habe mich oft sehr aufgebläht und schlecht gefühlt – den Zusammenhang zur Milch in meinem Kaffee oder dem großen Fruchtjoghurt am Abend habe ich aber nie hergestellt. Ich entschloss mich eine Testphase zu machen: Nach 3 Monaten veganer Ernährung wollte ich ein Resümee ziehen und entweder dabei bleiben oder es lassen.

Wie ihr euch denken könnt, bin ich immer noch Veganer.

Es geht mir gesundheitlich sehr viel besser als zuvor. Früher war ich sehr oft ohne Grund müde oder hatte Kopfschmerzen und Migräneanfälle, Bauchschmerzen und Völlegefühl. Heute habe ich nur noch Bauchschmerzen oder Blähungen, wenn ich zu ballaststoffreich gegessen habe.

Ich bin beruflich Krankenschwester und setze mich allgemein gerne mit Ernährung auseinander. Alle die denken, dass die ausschließlich pflanzliche Ernährung mehr schadet als sie hilft, irren sich. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Veganer sehr viele Mangelerscheinungen haben, aber das einzige was einem fehlt sind die Vitamine D3 und B12. Weil ich mir darüber im Klaren bin, substituiere ich sie. Ich finde das ist kein großer Unterschied zu Fleischessern, die mit Multivitaminbrausetabletten ihre Mangelerscheinungen versuchen zu bekämpfen. Ich finde es interessant, dass meiner Umwelt meine Gesundheit wichtiger ist als die der Tiere in Massentierhaltung.

Aber keine Angst: Ich bin nicht der Stereotyp eines militanten Veganers, den die Gesellschaft oftmals vor Augen hat.

Stereotyp Veganer 02
Bild von Jovan J | CC BY-NC-ND 2.0

Meine Mitmenschen sollen das machen, was sie für richtig halten. Ich finde es aber gut, wenn ich zu einer Diskussion anrege, sobald ich mein Essen in der Mittagspause raushole. Vielleicht kann ich ein paar Menschen mit meinem Sein und meiner Einstellung für eine pflanzliche Ernährung interessieren und sie zu einem Umdenken bringen.

– Sanny

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