Wie liest man heute? Lesegewohnheiten im Wandel der Zeit

Bücherregal

Wie ich Literatur konsumiere hat sich im Laufe der Zeit und mit fortschreitender Digitalisierung leicht verändert. Bewusst geworden sind mir meine veränderten Lesegewohnheiten neulich, als an einem Abend das Thema aufs Zeitunglesen kam und mir ein Bekannter erzählte, wie entspannend für ihn das sonntägliche Lesen seiner Zeitung ist. Der Geruch der Druckertinte und das gemütliche Blättern, machen für ihn einen guten Start in den Sonntag aus. Als ich zustimmte aber ergänzte, dass mein Digitalabo auf mein Handy geliefert wird und eher weniger Tintengeruch produziert, wurde ich ungläubig angeschaut:“Wie kannst du denn deine Zeitung nur digital lesen?“

Digitale Lesegewohnheiten

Ich muss zugeben, dass ich vor dem Kauf meines ersten eBook-Readers dagegen genauso abgeneigt war, wie mein Bekannter. Es ist doch etwas Schönes, wenn man ein Buch in der Hand hat, darin blättern kann und es vor allem – auch, wenn die meisten dies nur verschämt zugeben – in den Schrank stellen kann, um zu zeigen, was man nicht alles für interessante Bücher liest. Dann habe ich mir allerdings aus Neugier einen eBook-Reader gekauft und meine Lesegewohnheiten sollten sich ändern. Es ist so unglaublich bequem, dicke Bücher auch gemütlich nachts im Bett lesen zu können. Durch die eingebaute Beleuchtung, kann das Zimmerlicht dabei auch gerne aus sein. Außerdem läuft man nicht mehr Gefahr, sich mit dem dicken Schinken zu erschlagen, falls man einschlafen sollte.

Was meinen Bücherschrank anging, so fand ich es schon schade, dass er sich nicht mehr füllte. Wen sollte ich damit noch beeindrucken? Meine Einstellung dazu hat sich geändert, als ich das letzte Mal umgezogen bin. Ich war dankbar für jedes (meist kostenlose) Buch, das in Form nichts-wiegender Bits und Bytes auf meinem Reader gespeichert war und nicht schwer wie Blei (!) in den Umzugskartons darauf wartete, geschleppt zu werden. Derselbe Vorteil ist auch auf Reisen unbezahlbar. Die Frage, welches Buch man noch in den Koffer quetscht, stellt sich mit einem eBook-Reader nicht mehr: Man nimmt einfach alle mit.

Wie lese ich denn Zeitungen nun digital?

Um auf die Frage meines Bekannten zurückzukommen: Ich lese sie am Handy. Sonntags auch gerne auf dem Laptop, am Fenster sitzend. Sonderlich überraschend sollten mittlerweile Digitalabonnements eigentlich auch gar nicht mehr sein: Das Unternehmen Price Waterhouse Coopers stellte 2015 schon eine immer größere Beliebtheit solcher Angebot fest.

Das Kalkül für ein digitales Abonnement war eigentlich ein ökonomisches. Durch die digitale Zustellung war ich in der Lage, einen guten Teil des Preises einzusparen. Mittlerweile bin ich auch froh darüber bei jeder Busfahrt gemütlich auf dem Handy lesen zu können, ohne meinen Sitznachbarn zwangsweise zum Mitleser machen zu müssen, wenn ich die Zeitung auffalte.

Nachdem ich mich an das digitale Lesen gewöhnte, folgte eine Zeit, in der ich oft Bus und Bahn wechseln musste, um zur Arbeit zu gelangen. Auf den Wegen zu lesen war unpraktisch, da man immer wieder aus dem Lesefluss rausgerissen wurde. Ein neues Medium musste her und ich entdeckte Podcasts und Hörbücher. Da ich mehr der Sachbuch-Leser bin, lud ich mir entsprechende Podcasts herunter. Scheinbar bin ich auch nicht der einzige, der sich gerne seine Informationen via Audio zu Gemüte führt: Bei audible, dem bekannten Hörbuchanbieter, konnte ich mehr Sachbücher in der Bestseller-Liste finden, als ich vermutete.

Sind physische Medien für mich nun also ausgestorben? Haben sich meine Lesegewohnheiten vollkommen verändert? Keineswegs! Besonders interessante Bücher kaufe ich mir immer noch sehr gerne und stelle sie in mein Bücherregal – meistens lese ich sie auch. Aber es gibt Situationen in denen eBooks, Hörspiele oder Podcasts einfach besser passen. Und wer weiß: Vielleicht wird es in Zukunft ja einen eBook-Reader geben, der nach Tinte riecht. Ich frage mich, was die eBook-Hater dann noch für Argumente haben werden…

– Remo

Beitragsbild: Stiller Beobachter | CC BY-SA 2.0

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