Leben Veganer wirklich gesünder?

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Einer meiner Hauptgründe, aus dem ich mich vegan ernähre, ist, dass ich so lange wie möglich gesund leben möchte. Ich arbeite im Gesundheitssystem und sehe tagtäglich Patienten mit den gleichen typischen Herzkreislauferkrankungen. Diese sind Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Doch das müsste gar nicht sein, denn viele dieser Erkrankungen könnten durch eine Änderung des Lebensstils vermieden werden.

Typische Herzkreislauferkrankungen:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Herzinsuffizienz
  • Artheriosklerose (Arterienverkalkung)
  • Koronare Herzerkrankung (KHK)
  • Herzinfarkt
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • Diabetes Mellitus Typ II

All diese Krankheiten haben folgende Ursachen beziehungsweise Risikofaktoren gemein: Bewegungsmangel, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen und eine schlechte, einseitige Ernährung. Um diesen Krankheiten vorzubeugen, ist es am logischsten, die Risikofaktoren zu vermeiden.

Sport: Auch wenig hat am Anfang eine große Wirkung

Im Klartext heißt das also, dass man sich regelmäßig bewegen sollte. Dabei reichen so ca. 30 min Sport am Tag. Natürlich ist es abhängig vom individuellen Leistungsstand. Dass jemand mit einem Gewicht von 150kg bei einer Größe von 1,60m aus dem Nichts 3 km durchgängig sprintet ist klar. Man sollte langsam anfangen, am besten an der frischen Luft, bei einer moderaten Geschwindigkeit zu gehen. Dann, wenn man es regelmäßig macht und es nicht mehr anstrengend ist, passt man seine Geschwindigkeit wieder an seinen neuen Leistungsstand an. Oder man fängt mit leichtem Krafttraining an.

Das Rauchen

Zigaretten
Jan Kus | CC BY-NC-ND 2.0

Komme ich nun zum Risikofaktor Rauchen. Es ist ein elendiges Thema und viele wollen es nicht wahr haben. Ich bin dieses Thema inzwischen auch Leid, weil meine ganze Familie leider raucht. Man kann grob sagen, dass durch die eingeatmeten Partikel des Zigarettenrauchs eine Entzündungsreaktion in den Atemwegen ausgelöst wird. Durch die ständige Aussetzung mit dem schädlichen Zigarettenrauch geht Lungengewebe zugrunde und dadurch minimiert sich die Lungenfunktion. In der Folge wird man schon bei geringer Anstrengung kurzatmig. Wenn man aufhört zu rauchen, kann man nicht seine komplette Lungenfunktion wieder zurückerlangen, doch die Schleimhaut in den Atemwegen kann sich nach einer gewissen Zeit erneuern. Nach ca. sechs Monaten wird man Leistungsfähiger, der Raucherhusten wird weniger oder tritt nicht mehr auf und man ist weniger Infektanfälliger. Man reduziert sein Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Krebsrisiko nach schon 5-10 Jahren.

Ich habe vor einigen Jahren auch noch geraucht. Ich erlebte mit, wie einer meiner Patienten intubiert werden musste, weil er keine Luft mehr bekam. Dieser Patient hatte jahrelang geraucht und dadurch eine ausgeprägte COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Dieser Mensch saß aufrecht im Bett und rang nach Luft, jedoch ging keine Luft in ihn hinein noch hinaus. Dieser Mensch hatte Todesangst. Hätten wir ihn nicht intubiert, also einen Tubus in die Luftröhre geschoben, um einen sicheren Atemweg zu schaffen, sodass die Lunge wieder ausreichend belüftet werden konnte, so wäre diese Person erstickt. Dieser Mensch hat sich das selbst angetan, keiner hat ihn zum rauchen gezwungen. Nach diesem Erlebnis habe ich sofort mit dem Rauchen aufgehört. Ich hatte nie wieder Lust auf eine Zigarette zu meinem Kaffee.

Die ausgewogene Mischkost oder doch besser Vegan werden?

Obst-&-Gemüse
Paul | CC BY-NC 2.0

Bei allen der oben genannten Erkrankungen ist es wichtig seinen Lebensstil zu ändern – vor allem aber auch seine Ernährungsweise. Das heißt: Kein Fast Food, wenig Fett und wenn es doch Fett sein muss dann wenigstens gute Fette, wie zum Beispiel Olivenöl, Kokosnussöl, Leinöl etc. Empfehlenswert ist es viel Gemüse, am besten grünes, zu essen und dazu Obst in Maßen sowie vollwertige Kohlenhydrate, die auch ballaststoffreich sind (Hülsenfrüchte, Getreideflocken (Hafer, Dinkel), Vollkornreis, Vollkornnudeln etc.). Viele Ärzte werden einem auch sagen, dass man wenig Fleisch essen soll. Vor allem sollte man auf rotes Fleisch verzichten und eher Fisch essen – aber auch alles nur in Maßen und nicht täglich.

Vernachlässigt man also den letzten Punkt, so scheint es, als könne man als Veganer Herzkreislauferkrankungen umgehen. Dies würde ich natürlich umgehend unterschreiben! Jedoch muss ich realistisch bleiben. Jeder muss sich selbst entscheiden, wie er zu leben vermag. Die meisten tun sich schwer, schon geringe Anpassungen an ihrer Ernährungsweise vorzunehmen. Sich dann vegan zu ernähren, scheint dadurch ziemlich utopisch. Wenn mich Freunde und Familie fragen, wieso ich vegan lebe, dann ist mein Hauptgrund, dass ich gesund alt werden möchte. Ich empfehle immer gerne die Dokumentation „Forks over Knives“ oder wer lieber liest „The China Study“ von T.Colin Campbell oder „How not to die“ von Dr. Michael Greger.

Mein Fazit

Mein Blutwerte waren bisher immer top. Ich treibe viel Sport, habe aufgehört zu rauchen und werde auf jeden Fall nie, nie wieder damit anfangen. Mein Kühlschrank und meine Vorratskammer bestehen aus Produkten, die kaum ver- oder bearbeitet sind. Ich fühle mich seit dem Umstieg auf eine vegane Ernährungsweise leichter, wacher und leistungsfähiger. Ich esse das, auf was ich Lust habe und was die vegane Küche für mich hergibt – und da gibt es viele tolle Sachen! Der praktische Nebeneffekt ist, dass ich hoffentlich meine Rentenalter gesund und fit verleben werde und nicht immer im Warteraum einer Arztpraxis sitzen oder in der Warteschlange meiner Lieblingsapotheke stehen werde.

Ich bin davon überzeugt, dass Veganer allgmein gesünder leben als der Durchschnittsdeutsche und auch gesünder alt werden. Aber um realistisch zu bleiben kann man natürlich auch als guter Mischköstler gesund alt werden. Die Menschen sollten sich einfach klar werden, dass sie im Alter nicht ein Haufen Medikamente schlucken müssen, wenn sie jetzt schon eine gesündere Lebensweise führen würden. Und das ist heutzutage wirklich kein Problem mehr.

– Sanny

Beitragsbild: Miquel Lleixà Mora | CC BY-NC-ND 2.0

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